Es fühlt sich an, als hätte ich Depressionen.
Zumindest massive depressive Verstimmungen.
Scheußliche, immer wiederkehrende dunkle Wolken, die sich über mein Gemüt legen und eine Weile dort verharren.
Manchmal kommt ein Wind auf und die Wolken verziehen sich wieder, das ist schön und befreiend.
Aber meistens bleibt es ziemlich lange windstill und kein Fitzelchen Sonne scheint durch die Wolkendecke. Dann bin ich wie gelähmt – unfähig, irgendetwas zu tun oder zu entscheiden.
Ich weiß nicht, wann es anfing, irgendwann war es da und läßt mich seitdem nicht mehr los. Es läßt mich schlecht schlafen, es behindert mich in allem, was ich tun will. Und es verwirrt mich und meine Gedanken.
Manchmal fließen Tränen, manchmal nicht.
Oft kommt es in der Nacht, wenn ich ins Bett gehe und nicht gleich schlafen kann.
Ein Gedanke, ein Bild in meinem Kopf und dann schwirren die Gedanken:
Keiner liebt mich, keiner will mich, ich bin häßlich, hoffentlich passiert meiner Mama nichts, ich hab Angst, was soll ich tun, wie wird meine Zukunft, ich habe kein Geld, ich bin fett, es interessiert sich keine Sau für mich, warum passiert immer mir so eine Scheiße, wieso sagt er solche Sachen, wieso mußte das passieren, warum habe ich nicht, warum schreibt er nicht, was wird mit meiner Arbeit, warum hab ich so wenig Freunde, werde ich jemals Kinder haben, was denkt er von mir, was denkt sie von mir, was denken alle von mir, es ist mir egal was irgendjemand über mich denkt, wo ist mein Leben hin, hätte ich doch nur, soll ich, soll ich nicht, wieso mußte er sterben, was habe ich falsch gemacht, warum kam ich zu spät, warum mußte sie sterben, warum hat er mich betrogen, warum hat er mich belogen, was hat das alles für einen Sinn..?
Und noch viele, viele Gedanken mehr… Rush Hour auf der Gedankenautobahn… Fließen Tränen, wird es manchmal ein bißchen besser, aber nicht immer. Meistens rettet mich der Schlaf, wenn ich zu erschöpft bin, um wachzubleiben. Und dann kommen die Träume. Ich träume sehr bilderreich und intensiv. Manchmal kann ich mich erinnern, manchmal nicht. Wenn ich mich erinnern kann, dann erschrecke ich manchmal über mich selber, wie wirr meine Träume doch eigentlich sind. Nur manchmal sind sie auch schön und lassen mich hoffen. Allerdings nur äußerst selten.
Als Kind träumte ich auch schon sehr intensiv. Ich erinnere mich an einen immer wiederkehrenden Traum. Dieser Traum kam fast jede Nacht und war ziemlich brutal. Ich muß so ungefähr sieben oder acht gewesen sein. Ich kann den Traum gar nicht genau schildern, er endete auf jeden Fall damit, daß meiner Mutter alle Haare vom Kopf abgebrannt waren, sie aber ansonsten unversehrt war. Also hatte ich damals auch schon Angst, daß ihr was passieren könnte. Verlustängste nennt man das wohl. Auch kein Wunder, denn zu dieser Zeit war sie mit einem Mann verheiratet, den ich von Anfang an nicht leiden konnte, und der sich hinterher als Alkoholiker und Schläger rausstellte. Wie oft mußten wir von ihm flüchten, weil er wieder getrunken hatte und randalierte. Zu Fuß gingen wir immer mitten in der Nacht durch eine Art Halde, ein ziemlich dunkler Ort, der mir fürchterliche Angst machte. Möchte im nachhinein gar nicht wissen, was da für Typen rumlungerten. Auf jeden Fall haben diese Erlebnisse einen bleibenden Eindruck auf mich hinterlassen. Dazu aber später mehr.
Zurück zu den Depressionen. Mit Johanniskraut werden sie deutlich abgemildert, habe ich festgestellt. Leider bin ich immer sehr inkonsequent mit der Einnahme. Im Moment versuche ich es gerade mal wieder, weil es schier unerträglich ist, mit diesen Stimmungsschwankungen durch den Tag zu kommen…
Wünscht mir Glück…
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