Gerade jetzt ist es mal wieder soweit… Im Büro ist es still, alle sind zum Essen. Ich habe keinen Hunger. Zumindest nicht nach Essen. Ich habe keine Lust auf meine Arbeit, die Gedanken schweifen ab. Zu Dir, zu mir, zu euch, in die Vergangenheit… Die Tränen schießen mir in die Augen, mitten im Büro, an meinem Schreibtisch. Ich schaue aus dem Fenster. Der Himmel ist grau, Schnee bedeckt die Gehsteige, die Straßen sind frei und ein paar Flöckchen bahnen sich noch ihren Weg zur Erde. Ich sitze im Warmen und doch ist mir kalt… Im Innern kalt. Es fahren Autos vorbei und Leute laufen mit ihren Schirmen entlang. Eine Frau mit Schirm und Kinderwagen geht ins Haus. Alles sieht so friedlich aus und ist es doch nicht. Die Bäume ganz kahl und mit Schnee bedeckt, ein Vogel fliegt vorbei. Und meine Gedanken auch… Vor meinem inneren Auge entsteht ein Bild, meine Uroma nimmt meine Hand und sagt: „Alles wird gut!“ Aber sie hat nicht gesagt wann. Und so warte ich darauf, daß alles gut wird, ungeduldig und geduldig zugleich. Ich müßte so vieles tun und kann nicht, bin wie verzaubert von den Schneeflocken. Sie fallen einfach vom Himmel und gehen ihrer Bestimmung nach. Wenn doch alles so einfach wäre. Alles ist still, der Schnee dämpft die Geräusche. Ach, hätte ich doch Schnee im Kopf, um meine Gedanken zu dämpfen, um sie weniger laut zu machen, damit ich wenigstens durch den heutigen Tag komme. Und nicht wieder einen weiteren Tag verschwende mit sinnlosen Gedanken, sinnlosen Gefühlen und sinnlosen Taten.
Die Stimmen und Kollegen kommen wieder, das Fenster wird aufgerissen, und alle Geräusche sind wieder da.
Auch die in meinem Kopf…
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