Noch immer befinde ich mich auf der Suche nach dem Glück… Mal mehr und mal weniger…
Ich möchte wirklich nicht glücklicher sein als die anderen. Das ist es nicht. Ich möchte einfach nur mal wieder richtige Glücksgefühle empfinden. Auch weiß ich, daß die anderen manchmal glücklicher erscheinen, als sie in Wirklichkeit sind. Das ist es auch nicht.
Das Problem bei mir ist eigentlich folgendes: (Fast) immer, wenn ich denke, ich bin jetzt glücklich oder ich fühle mich glücklich, dann kommt immer irgendwie etwas dazwischen, was jegliche Glücksgefühle zerstört.
Vielleicht erklärt sich ja einiges durch meine Lebensgeschichte. Ich glaube, ich werde mal einfach einige Sachen niederschreiben und Ursachenforschung betreiben.
Hier ein unvollständiger Versuch eines „Lebenslaufes“, nur mal die „Highlights“ rausgegriffen:
Ich wurde ich unehelich geboren, meine Mutter war erst zarte 16 Jahre alt.
Mein Vater war ein anderweitig verheirateter Italiener und um einiges älter als meine Mutter. Ich meine auch herausbekommen zu haben, daß er auch was mit meiner Oma hatte. Hm.
Ich kenne meinen Vater also nicht wirklich, ich habe ihn nur ein paar Mal gesehen. Auf unserem Campingplatz hatte er einen Eiswagen und ich habe mich nur immer gewundert, daß ich das Eis umsonst bekam und er dafür immer ein Bacio – also ein Küßchen – wollte. Ich glaube, er hat auch mal gedroht, mich zu entführen und in ein italienisches Kloster zu stecken. Das müßte ich aber nochmal von meiner Mutter verifizieren lassen.
An meinem 18. Geburtstag hat er mich immerhin mal besucht und mir 100.-DM zugesteckt. Ich glaube, das war das letzte Mal, daß ich ihn gesehen habe.
Die ersten 5-6 Jahre meines Lebens bin ich praktisch bei meiner Oma und Uroma aufgewachsen. Meine Mutter mußte arbeiten und hat mich aber immer am Wochenende abgeholt. Meine Mutter und meine Oma hatten und haben ein etwas angespanntes Verhältnis zueinander. Ich glaube, sie würden das aber nie öffentlich vor sich selber zugeben. Es gab aber wohl einige Querelen um mich, die ich aber Gott sei Dank wohl nie so recht mitbekommen habe.
Zu meiner Uroma hatte ich ein sehr gutes Verhältnis. Leider ist sie vor zwölf Jahren gestorben. Und ich bin nicht mehr rechtzeitig zu ihr gekommen, um mich zu verabschieden. Seitdem plagen mich ziemliche Verlustängste. Vor allen Dingen auch, weil meine Mutter so weit weg wohnt und ich mir irgendwie ständig Sorgen mache. Ich glaube, diese Verlustängste ziehen sich wie ein roter Faden durch mein Leben.
Meine Mutter heiratete meinen ersten Stiefvater, als ich 6 Jahre alt war. Natürlich habe ich mich mit Händen und Füßen dagegen gewehrt, aber leider hat es nix genützt. Ich habe mich sogar geweigert seinen Namen anzunehmen und das mit ganzen 6 Jahren. Meine gellenden Schreie hallen jetzt noch in meinem Gedächtnis nach. „Ich will nicht so heißen, ich will nicht so heißen, ich will nicht so heißen…“
Ich hatte bei ihm schon ein sehr komisches Gefühl und das sollte sich auch bewahrheiten.
Er entpuppte sich dann recht schnell als Alkoholiker und Schläger. Meine Mutter hat natürlich vieles von mir ferngehalten, aber Kinder kriegen ja viel mehr mit, als man meint. Und so habe ich auch einiges mitbekommen. Wir sind oft mitten in der Nacht vor ihm geflohen und hatten so einige schreckliche Erlebnisse. Ein einprägendes Erlebnis gab es auf meiner Kommunionsfeier. Er hat besoffen randaliert und saß dann zum Schluß auf dem Boden an eine Wand gelehnt und schlief dann später ein. Zur Erinnerung habe ich ein schönes Foto davon. Auch vor den Nachbarn machte er nicht halt und schlug schon mal deren Glastür ein, wenn wir uns bei ihnen versteckt hatten.
Ab dem Alter von ungefähr sieben Jahren war ich ein typisches Schlüsselkind. Meine Mutter mußte natürlich arbeiten gehen, also war ich oft auf mich alleine gestellt mit Essen machen und so, bis meine Mutter kam. Ich habe lustige Erinnerungen daran, z. B. mit Töpfen zum Warmhalten unter der Bettdecke. Aber ich fühlte mich oft auch sehr alleine und auf mich gestellt.
Nach einigen schrecklichen Jahren mit meinem ersten Stiefvater schaffte es meine Mutter endlich, sich von ihm zu trennen. Wir zogen dann zu zweit in eine Mini-Wohnung. Ich habe eigentlich sehr schöne Erinnerungen daran. Ich hatte auch meine Mutter für mich alleine, das tat mir wirklich sehr gut.
Meine Mutter lernte dann nach einiger Zeit meinen zweiten Stiefvater kennen. Am Anfang war er mir eigentlich sehr sympathisch. Als ich dann allerdings merkte, daß sich da mehr zwischen ihm und meiner Mutter entwickelte, da war ich schon ein wenig skeptischer.
Irgendwann zogen wir dann mit ihm zusammen. Und nicht nur mit ihm, sondern auch mit seinen zwei kleinen Kindern. Das Schicksal hatte auch bei ihm sehr hart zugeschlagen. Die Mutter der Zwillinge ist ein paar Tage nach deren Geburt verstorben und er stand alleine da mit seinen zwei kleinen Kindern.
So wurden wir also eine Patchworkfamilie: Eine geschlagene und gedemütigte Frau, ein Witwer, ein Teenager im besten Trotzalter und zwei einjährige Halbwaisen. Das gestaltete sich natürlich als etwas schwierig. Es gab Kleinkriege und ich fühlte mich natürlich sehr zurückgesetzt, weil sich alles (natürlich) um die kleinen Kinder drehte. Ich kam mir ein bißchen vor, als wäre ich manchmal gar nicht vorhanden.
Meine Mutter war allerdings noch nicht geschieden und mein erster Stiefvater verfolgte uns mit Morddrohungen und randalierte des öfteren stockbesoffen vor unserer neuen Wohnung und beschädigte unser Auto etc. Man hat sich kaum noch auf die Straße getraut.
Aufgrund dessen beschlossen meine Mutter und mein zweiter Stiefvater mit uns von NRW nach Bayern zu ziehen. Er war bei der Bundeswehr und konnte so relativ leicht versetzt werden.
Also zogen wir nach Bayern, als ich zwölf war. Der Umzug in ein anderes Bundesland und in eine andere Schule war nicht wirklich lustig. Leider mußte ich auch in die Realschule anstatt weiterhin auf´s Gymnasium zu gehen.
Zudem hab ich als Ruhrpott-Teenie natürlich nix Bayerisches verstanden… Ich kann mich an eine Situation erinnern, als wir von der Schule aus ein bayerisches Theaterstück besucht haben. Meine Schulkollegin hat dann für mich „übersetzt“, weil ich rein gar nix verstanden habe. Ich bin ihr heute noch sehr dankbar und meine Sprachkenntnisse haben sich seit damals deutlich erweitert….
Die Jugendzeit in Bayern war im Nachhinein gesehen eine wirklich wunderschöne Zeit. Ich traf meine erste und zweite große Liebe und hatte viel Spaß. Ich wünschte, ich hätte diese Zeit mehr genossen. Aber dazu später mehr…
Nach mühseligem Aufbauen neuer Freundschaften etc. beschlossen meine Mama und mein Stiefvater dann nach knapp 4 Jahren wieder zurück nach NRW zu ziehen.
Und wieder Neuanfang, eine neue Schule, neue Leute… Man gönnt sich ja sonst nichts.
Ich habe dann eine Klasse wiederholt, weil es wieder ganz andere Anforderungen gab. Man sollte eigentlich meinen, daß man zumindest innerhalb Deutschlands problemlos die Klassen wechseln kann, aber weit gefehlt… Nun ja, so hat sich mein Bildungsweg etwas verzögert, hat mir auch nicht geschadet… Oder vielleicht doch..?
Leider habe ich dann hab ich einen relativ schlechten Abschluß gemacht, da ich irgendwie keine Lust mehr hatte und mir die ganze Situation auf den Keks ging.
Vor allen Dingen hatte ich noch einen Freund in Bayern und habe eine Fernbeziehung geführt. Für das Alter nicht schlecht…
Ich habe dann eine schulische Ausbildung als Kinderpflegerin angefangen. Das war eine sehr lustige Zeit (hier auch wieder im Nachhinein betrachtet). Die Schule war ein von Diakonissen geführtes Internat und ich bin an den Wochenenden immer nach Hause gefahren. Es herrschten einige seltsame Regeln, die wir aber immer wieder brachen… Ich sage nur Mitternachtspartys und viel Alkohol…
Immerhin ein Jahr lang habe ich die Ausbildung durchgehalten und als ich dann endlich 18 war, bin ich zu meiner Liebe alleine wieder zurück nach Bayern gezogen. Dies geschah natürlich nur unter Protest von meiner Mutter. Hätte ich mal auf sie gehört… Na ja, in dem Alter läßt man sich halt nix sagen.
Ich mußte ihr natürlich versprechen, meine Ausbildung in Bayern weiter fortzuführen. Leider hat das nicht so geklappt, wie ich das wollte und so hab ich dann irgendwann mal abgebrochen. Leider kurz vor der Prüfung. Nun ja, hinterher ist man immer schlauer. Ein nochmaliger Versuch der Weiterführung im nächsten Jahr klappte dann leider auch nicht mehr.
Ich schlug mich also mehr schlecht als recht durch. Ich bekam nach einiger Zeit leichte bzw. mittelschwere Depressionen. Irgendwie war alles zuviel für mich. Nie Geld, keine gescheite Arbeit und Ausbildung und auch viel Streß mit meinem Freund.
An einem Tag im Juli war es dann soweit. Ich betrank mich besinnungslos mit Malibu, hörte 20 mal hintereinander das Lied „Fade to black“ von Metallica an und schmiß mir alle Pillen ein, die ich in meinem Haushalt fand. Hm. Ich glaube, das kann man als Selbstmordversuch werten. Und das mit unschuldigen 19 Jahren.
Meine Freundin fand mich schließlich noch und ich wurde ins Krankenhaus verfrachtet. Dort wurde mir hübsch der Magen ausgepumpt und am nächsten Tag wurde ich wieder in die böse Welt entlassen… Natürlich habe ich auch jedwede psychologische Betreuung abgelehnt, man schafft das ja alles selber. *räusper*
Nach einiger Zeit ging dann meine Beziehung in die Brüche und ich stand auf der Straße. Mal wieder ohne Geld und ohne nichts.
Ich bin dann für zwei Monate wieder zu meinen Eltern nach NRW gezogen. Aber irgendwie war das auch nichts mehr für mich, vor allen Dingen, weil ich ja alle meine Freunde in Bayern hatte.
Ich bin dann wieder nach Bayern gezogen, zu einem Bekannten. Aus der Bekanntschaft wurde dann eine einjährige „Beziehung“. Es war aber irgendwie keine echte Liebe. Im Nachhinein betrachtet ist das ganz schön blöd gewesen, aber irgendwie war es mir zu dem Zeitpunkt egal… Es war eine sehr seltsame Beziehung und hat bei mir ganz komische Spuren hinterlassen.
Ansonsten jobbte ich mal hier und mal da. Nix gescheites und ich lebte nur von einem Tag auf den anderen.
Irgendwann hatte ich dann die Kraft und das Geld auszuziehen und mich von dieser seltsamen Zweckbeziehung zu lösen.
Ich fing dann eine weitere Beziehung an. Mit einem alten Bekannten, mit dem ich schon mal kurz was hatte.
Diese Beziehung war sehr geprägt von tierischer Eifersucht seinerseits. Damals war ich noch schlank und „gutaussehend“, heute bin ich nur noch „und“. *kicher*
Ich zog mich auch dementsprechend an und hatte schon öfter mal nen tiefen Ausschnitt oder ein kurzes Röckchen. Was habe ich mir dabei nur gedacht?
Es ging soweit, daß er mich vor versammelter Mannschaft, also vor Freunden und Bekannten, total runtergemacht hat und mir sehr nette Sachen unterstellt hat. In aller Öffentlichkeit fragte er mich dann so Sachen wie: „Mit wem willst Du heute denn schon wieder ficken, Du Schlampe? Zieh Dir sofort was anderes an“ und dergleichen mehr… Hach, eine schöne Zeit…
Der Sex war aber außerordentlich und so blieb ich.
Außerdem hat er mir dann noch eingeredet, ich könnte eh nix und wär zu nix zu gebrauchen. Tja, irgendwann glaubt man das dann. Vor allen Dingen, wenn man keine abgeschlossene Ausbildung hat und grad irgendwie arbeitslos war, bzw. nur rumgejobbt hat.
Mein Selbstbewußtsein verabschiedete sich dann so nach und nach, bis es völlig verschwunden war und ich wieder in ein tiefes Loch fiel.
Ich weiß nicht, wie ich es gemacht habe, aber irgendwann hab ich aber dann doch irgendwie die Kurve bekommen und bin ausgezogen.
Die Fortsetzung findet ihr hier…
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