Und hier nun die lang ersehnte Fortsetzung meiner „Memoiren“. Den ersten Teil findet ihr unter Teil 1.
Zwei lange Jahre war ich dann Single. Zwischendrin mal ein paar Liebeleien und eine einmonatige „Beziehung“. Aber nix Aufregendes.
Ich fühlte mich eigentlich auch relativ gut. Ich hatte eine schöne Wohnung und hatte Arbeit. Manchmal sogar zuviel Arbeit. Manchmal 12-14 Stunden pro Tag in zwei Jobs. Und Nachtschicht. Das war übel.
Ich lebte so vor mich hin und es war eigentlich ganz gut.
Bis auf die Sonntage. Die waren schrecklich. Ich wußte irgendwie nix mit mir anzufangen, wenn ich mal alleine war und grad nicht arbeiten war. In meinem Nebenjob war ich eigentlich allseits bekannt und hatte immer irgendeinen zum Quatschen. Aber zu Hause dann. Dann kam die Stille.
Die Stille übertönt man dann mit Fernsehen und Videos und mit sonstigem. Meine eigenen Gedanken konnte und wollte ich eigentlich nicht hören.
Damals empfand ich das schon als schlimm. Aber was ich im Moment durchmache, ist eigentlich noch viel schlimmer als damals.
Damals hatte ich nämlich noch etwas, was ich jetzt nicht mehr habe.
Hoffnung.
Hoffnung, daß alles gut wird und es irgendeinen Sinn gibt.
Egal, dazu später mehr…
Ich lebte also so vor mich hin… Aber irgendwie fehlte auch was. Und das Selbstbewußtsein war immer noch am Boden. Und sank danach auch noch in den Keller.
Nach zwei Jahren geschah dann das Unfaßbare. Ich lernte beim Tanzen einen tollen Mann kennen und ab da ging es erstmal steil aufwärts.
Ich war so verliebt und dachte, es wäre die ganz große Liebe. Und so schien es auch. Aber der geneigte Leser wird es sich schon denken: Es kam alles anders.
Natürlich nicht sofort und natürlich nicht mit dem Holzhammer, aber es kam. Schleichend wie die Pest. Die Beulen kann man heute noch sehen. Und manchmal, und nicht nur manchmal platzt noch eine davon auf.
Doch zurück zur Geschichte.
Nach drei Monaten zog ich zu meinem neuen, tollen, lieben Freund und ich dachte, alle meine Träume würden in Erfüllung gehen.
Er war lieb, er war zuvorkommend, er war anders als all die anderen. Er interessierte sich für mich, er war intelligent und er war witzig. Er konnte tanzen und mich mit ihm schweben lassen. Ich wollte ihm alles glauben. Er glaubte an mich und gab mir Hoffnung. Er baute mein Selbstbewußtsein Stück für Stück wieder auf und ließ mich denken, ich wäre etwas wert.
Ich fing dann einen neuen Job an. Obwohl ich ungelernt war, bekam ich durch ein bißchen Vitamin B eine schöne Stelle. Am Anfang allerdings erst eine sehr kleine. Aber ich hatte einen Fuß in der Tür, oder besser gesagt im Büro. Weg von all den Hilfsjobs und Nebenjobs. Und ab in die Upper Class. Na ja, nicht ganz, aber für mich fühlte es sich ein bißchen so an.
Ich arbeite mich also nach und nach hoch. Ich fing an zu denken, daß ich ja doch nicht so unintelligent wäre, wie ich eigentlich früher von mir dachte. Die Arbeit machte Spaß und ich lernte Tag für Tag dazu. Und wie schnell ich lernte.
Nach ein paar Monaten wurde mir dann dort eine Ausbildungsstelle angeboten. Der Chef hatte sich nochmal meinen Lebenslauf angeschaut und gemeint, ich hätte ja gar keine abgeschlossene Ausbildung und ob ich nicht eine machen wollte. Ich wollte.
Ich nahm also an und alles war gut.
Bis es dann wieder anfing 🙂
Der 11. September 2001 kam und es wurden 50% der Leute entlassen, weil keine Aufträge mehr kamen.
Und wie es der Zufall so wollte, war meine dreimonatige Probezeit für meine Ausbildung leider noch nicht vorbei. Und so konnte man mir auch ganz wunderbar kündigen.
Ich saß dann Stunden, Tage, Wochen beim Arbeitsamt, um eine Umschulung und somit eine Weiterführung meiner Ausbildung zu erreichen. Das klappte dann auch irgendwie und ich bekam einen weiteren Ausbildungsplatz in einer anderen Firma. Zwar hatte ich dadurch weniger Geld, aber irgendwie ging es schon. Ich war einfach froh, meine Ausbildung weiterführen zu können.
Es verging ein halbes Jahr, da fing es wieder an.
Die neue Firma, besser gesagt die Chefin mobbte mich dann so dermaßen, daß ich es einfach nicht mehr aushielt und Ausschau hielt nach einer neuen Firma. Ich wollte die Ausbildung nicht abbrechen, aber es war mir unmöglich geworden dort weiterzuarbeiten. Im Nachhinein hätte ich es vielleicht einfach durchhalten sollen, aber wer weiß, für was es gut war.
Ich fand also die nächste Firma, bei der ich meine Ausbildung fortführen konnte.
Dort wurde ich nach knapp 2,5 Monaten ins Büro gerufen. Angeblich hätte ich Gehaltsdaten ausspioniert, weil ich einen Brief geöffnet hätte. Hatte ich aber nicht. Aber da ich wieder mal noch in der Probezeit war, konnte man mir erneut fröhlich kündigen. Im Nachhinein haben sich mehrere Anzeichen gemehrt, daß die Firma nur eine billige Kraft für´s Sommerloch gesucht hatte.
So, nun stand ich also wieder da und mußte mir den nächsten Betrieb zur Weiterführung meiner Ausbildung suchen. Den vierten dann also. No rest for the wicked I guess.
Das Arbeitsamt, das ja die Umschulung zahlte, hielt mich gelinde gesagt schon für etwas verrückt. Aber ich ließ mich nicht aufhalten und fand tatsächlich eine neue Firma.
Es handelte sich hierbei um eine GmbH mit zwei Geschäftsführerinnen. Tja, und wie das so ist mit den Frauen… Zumindest mit vielen Frauen.
Es ging eine Weile lang und dann zerstritten sich die Damen.
Es zog sich eine Zeitlang so hin. Schlußendlich wurde dann die Firma auf eine Dame überschrieben und es ging noch eine Weile weiter. Eine kleine Weile allerdings nur. Wär ja sonst auch langweilig gewesen.
Und so kam es wieder, wie es kommen mußte. Das Geld ging aus und mein Gehalt wurde nicht mehr gezahlt. Die Firmenräume mußten aufgegeben werden und wir landeten im Keller der Privatwohnung der Chefin. Ein Traum. Die restlichen Ratten auf dem sinkenden Schiff, eingepfercht im Dunklen. Ein Traumarbeitsplatz. Aber was sollte es, ich hatte ja nicht mehr lange bis zur Abschlußprüfung. Nur noch ein paar Monate.
Ich betete, daß es nicht mehr schlimmer werden würde. Aber was hat es genutzt? Natürlich nichts.
Ich mache es kurz. Die Dame mußte alle noch verbliebenen Mitarbeiter entlassen.
Ich habe mir dann allerdings erstritten, daß ich zumindest bis zum Abschluß meiner Ausbildung dort pro forma angestellt bin, damit ich die Prüfung machen konnte. Das hieß, daß ich freigestellt wurde, keinerlei Geld mehr bekam, aber auf dem Papier offiziell noch dort die Ausbildung machte.
Gott sei Dank brauchte ich kein Berichtsheft, das hätte mich vor einige Schwierigkeiten gestellt.
Die Prüfung war dann 3 oder 4 Monate später und ich bestand sie mit Bravour.
Danach fand ich relativ schnell einen Job bei der Zeitarbeit und dachte, jetzt wird alles gut 🙂
Ja, es ging auch eine Zeitlang gut.
Ich hatte zwar wenig Geld und viele Schulden, unter anderem angehäuft durch fehlende Gehälter, deshalb nicht gezahlten Rechnungen und daraus resultierenden horrenden Zinsen. Aber es ging irgendwie schon.
Mein Freund unterstütze mich, wo er nur konnte und wir hatten eine schöne Beziehung. Wir hatten viele gemeinsame Hobbys: Burgen, Musik der Fifties und das Tanzen. Ach, war das alles schön.
Wir unternahmen viel und waren fast jedes Wochenende unterwegs, um irgendeine Burg zu bezwingen oder um das Tanzbein zu schwingen. Himmel, das reimt sich ja sogar 🙂
Aber irgendwann begann es. Wir waren im Urlaub und fuhren im Bus zu unserer Unterkunft. Es war irgendwas mit einer Cola-Dose. Ich weiß es nicht mehr ganz genau, was es war. Aber da begann es. Ich habe das erste Mal gesehen, daß er jähzornig wurde. Ich konnte es damals noch nicht so genau einordnen. Aber im Laufe der Zeit wurde mir so einiges klar.
Die Streitereien mit meinem Freund wurden dann schleichend immer schlimmer. Es ging über alles mögliche. Keine Ahnung, was wirklich schief lief.
Wir wollten irgendwie dasselbe. Hochzeit, Kinder, ein schönes Leben und so weiter.
Aber irgendwie hatten wir ein totales Kommunikationsproblem. Jeder hat den anderen falsch verstanden und so drehte sich die Schraube nach unten immer weiter. Zeitgleich hingen wir aber emotional total aneinander.
Das Kommunikationsproblem ging dann in fehlende Körpersprache über.
Sprich, wir hatten immer weniger Sex.
Und immer schlechteren. Schaleren. Und irgendwann hörte es fast gänzlich auf.
Schließlich ging der gute Mann dann fremd. Da Männer wohl so sind. Ich entschuldige mich zeitgleich für diese Anspielung, aber leider empfinde ich es so. Diese Einstellung mag sich vielleicht unter Umständen irgendwann einmal noch ändern, aber für den Moment ist es einfach so.
Immerhin. Es hat ja ganze vier Jahre gedauert, bis er fremdgegangen ist.
Und was soll ich sagen. Angeblich hat er sich verliebt. In eine Kollegin aus seiner Arbeit.
Hm, und die Männer gehen nicht nur fremd, sondern sie stellen sich auch noch unglaublich blöd dabei an. Und sie glauben dabei wirklich, daß ihre Frauen es nicht merken. Aber die Frauen merken es. Sie WOLLEN es bloß nicht merken. Aber sie tun es trotzdem.
Nun, ab jetzt wird es ziemlich ausführlich und einfach nur unglaublich. Wenn es das nicht auch schon vorher war.
Es ist einfach unglaublich, was man sich so alles gefallen läßt. Wenn man liebt. Wenn man fühlt. Wenn man nur glücklich sein möchte.
Aber lest selbst. Intelligenten Menschen möchte ich allerdings das Wegschauen, äh Weglesen empfehlen.
Ich fand das mit dem Fremdgehen natürlich durch Zufall raus. Natürlich durch sein Verhalten. Und mein Verdacht wurde dann bestätigt durch eine sms. Wie es wahrscheinlich schon tausende Frauen vor mir rausgefunden haben seit Erfindung des Handys. Männer, ihr seid einfach zu dumm zum Fremdgehen.
Als ich es das erste Mal rausfand, hab ich gekämpft. Ich bat ihn zum ernsten Gespräch und wir heulten und schluchzten. Ich schrieb ihm eine Geschichte in ein Buch. Mit all den schönen Sachen, die ich noch alle mit ihm machen wollte. Und mit Sachen, die mir leid taten. Sachen, die ich wirklich „verbrochen“ hatte und für die ich mich entschuldigen wollte. Ich klebte Bildchen dazu mit Dingen, die uns was bedeuteten.
Er war begeistert und bat mich um Verzeihung. Wir kamen wieder zusammen und alles war gut.
Vorerst.
Es ging dann ein halbes Jahr gut.
Eigentlich hat er sich wirklich bemüht. Er kümmerte sich um mich. Er stand mir während einer ekelhaften Zahn-OP bei und hielt meine Hand beim Aufwachen.
Aber ich hatte trotzdem ein seltsames Gefühl. Und das sollte mich nicht trügen.
Eines Tages sagte er mir, er müsse etwas Zeit für sich haben, er müsse über einiges nachdenken und er würde gerne in Urlaub fahren. Alleine natürlich. Natürlich. Haha.
Ich durfte ihn sogar danach vom Flughafen abholen, damit ich auch sehen konnte, daß er alleine war. Ja ne, is klar.
Ich fand also ein weiteres Mal raus, daß er mich noch immer betrügt. Und daß er mit ihr im Urlaub war.
Es gab ein noch ernsteres Gespräch und ich nahm ihn wieder zurück und glaubte all seinen Versprechungen.
Tatsächlich ging es dann ca. 1,5 Jahre relativ gut. Ich hatte nicht mehr das Gefühl betrogen zu werden. Sex gab es aber immer nur noch sporadisch, also eigentlich fast nie.
Eines Tages dann packte er auf einmal seinen Koffer und sagte mir, er würde jetzt zu der anderen ziehen. Sie hätte ihn nicht losgelassen und er müsse es jetzt mit ihr versuchen. Sonst würde er es nie wissen.
Ich saß dann da, alleine in der gemeinsamen Wohnung. Unfähig, irgendwas zu machen.
Es ging dann immer hin und her. Er war ein paar Wochen dort, er war ein paar Wochen bei mir. Er ist mit mir in Kurzurlaub gefahren, hat den Urlaub dann mittendrin abgebrochen, um zu ihr zu fahren und lauter solche Geschichten.
Ich war unfähig, mich irgendwie zu wehren. Ich ließ einfach alles geschehen. Ich glaubte seinen Versprechungen, daß er nur noch eine Weile brauchen würde, bis er zu mir zurückkommt.
Ich machte ihm sogar einen Heiratsantrag in Form von Rosenblättern, Lichterketten, selbergemachten Papierrosen, Kerzen, einem Ich-liebe-Dich-Kissen und noch vielem mehr. Und mit in Serviettentechnik hergestellten Kärtchen mit schönen Worten und der alles entscheidenden Frage. Acht Stunden brauchte ich für die Vorbereitungen dazu. Ich arrangierte alles auf einem Tisch, löschte das Licht und ging aus dem Haus.

Er kam in die Wohnung, sah es wohl und ging wieder. Er schrieb noch nicht mal eine sms.
Irgendwann rief er mich an und sagte „ja“ zu dem Antrag…
Er wohnte aber weiterhin bei ihr und versprach wieder, bald doch bei mir zu sein.
Eine Woche danach rief er mich an und sagte: „Was soll ich machen? Ich soll in EINER Stunde heiraten und liebe doch nur Dich…“
Häh? Hab ich da irgendwas nicht mitbekommen? Anscheinend.
Ich setzte mich also in den Zug zur Hochzeit und wollte Einspruch erheben. Währenddessen führte ich gefühlte tausend Handygespräche. Ich rief ihn an, sagte, er solle es lassen. Auch wenn er nicht mehr mit mir zusammen sein wollte. Aber mit ihr würde er auch nicht glücklich werden. Dann rief er mich wieder an. Dann rief er sie an. Dann rief sie ihn an. Dann rief sie mich an. Dann rief ich sie an. Dann rief er mich wieder an.
Er ließ die andere dann eine Stunde vor der Hochzeit vor dem Altar sitzen und kam wieder zu mir. In voller Hochzeitsmontur, im Anzug und mit den Ringen für die andere Frau im Schächtelchen.
Wir fuhren dann am selben Abend Hals über Kopf nach Wien, liebten uns wie wild im Hotelzimmer und wußten eigentlich nicht, was wir da taten. Hinterher sagte er mir dann, daß er den Sex echt Scheiße fand. Und daß sie überhaupt besser ficken würde und daß ich überhaupt häßlich wäre und überhaupt. (Ich wußte natürlich, daß er mir nur weh tun wollte. Kein Mann hatte sich je bei mir über dieses Thema beschwert, eher im Gegenteil… 😉 Aber es tat trotzdem bis tief ins Herz weh, auch wenn er gelogen hatte…)
Dann kam ein Anruf und er brach den Urlaub ab, weil er wieder zu ihr fahren wollte. Bzw. ICH fuhr ihn wieder dorthin. Er hat ja keinen Führerschein.
Fünf Stunden lang hab ich dann auf der Rückfahrt im Auto geheult und er verzog keine Miene… Er schaute nur schamvoll aus dem Fenster.
Wie schon vorher gesagt, intelligente Menschen sollten nur auf eigene Gefahr weiterlesen.
Es ging also wieder hin und her. Er belog mich, daß sie angeblich schwanger wäre, sie wolle aber abtreiben und er müsse ihr jetzt unbedingt beistehen. Natürlich war sie nicht schwanger. Er brauchte nur einen Grund, um mich weiter hinzuhalten.
Jetzt beim Schreiben kommt mir gerade so der Gedanke, daß das alles äußerst absurd ist. Ich kann aber versichern, daß das wirklich alles so geschehen ist. Ich kann allerdings nicht sagen, WARUM ich das hab alles mit mir machen lassen. Keine Ahnung. Wenn man mitten in der Geschichte steckt, dann kommt einem das irgendwie alles ganz anders vor. Und man verhält sich so, wie man sich verhält. Hätte mir das eine Freundin erzählt, daß irgendein Kerl das mit ihr macht, ich hätte dem guten Mann wohl Prügel und Schlimmeres angedroht und versucht, die Freundin dort rauszuholen. Aber wenn es um einen selber geht, dann ist man sehr, sehr leidensfähig. Auch wenn man hinterher feststellen muß, wie blöd man eigentlich war.
Back to the story.
Angeblich war dann irgendwann mit der anderen Frau Schluß, aber er brauchte Zeit für sich alleine.
Er ist er dann in ein Appartement gezogen und ließ mich wieder in der gemeinsamen Wohnung alleine. Außerdem zahlte er nur die Hälfte von seinem Mietanteil. Und ich durfte draufzahlen.
Zeitgleich ist mein Patenkind (der Sohn meiner besten Freundin) am plötzlichen Kindstod gestorben. Es wurde nur sechseinhalb Wochen alt…
Und ich war so glücklich darüber, als es geboren wurde und daß ich seine Patentante sein durfte…
Und wieder glücklich gefühlt und schon wieder sollte es nicht sein…
Nun war mein Freund ja nicht mehr in der Wohnung, aber immer noch im Mietvertrag. Ich konnte mir keine neue Wohnung leisten, also ließ ich die Situation erst mal so. Allerdings mußten wir eh über kurz oder lang aus der Wohnung raus, weil sich in der Wohnung Schimmel gebildet hatte. Kein Wunder bei diesen ganzen schlechten Energien 🙂
Wir haben dann die Wohnung gekündigt, blieben allerdings noch ein paar Monate darin wohnen. Hm, eigentlich nur ich. Weil er war ja noch in diesem Appartement.
Währenddessen ging es immer besser. Wir verstanden uns wieder besser und ich dachte, die Frau wäre auch vom Tisch. Ich plante schon unser neues Leben. Ich war wieder voller Hoffnung.
Er wollte mit mir in eine neue Wohnung ziehen und im Februar unterschrieben wir dann den Mietvertrag für eine echte Traumwohnung…
Im April sollten wir dann einziehen…
ABER :-)))
Anfang März wurde mir in einer Bar der Geldbeutel gestohlen mit sämtlichen Dokumenten. Aus der verschlossenen Jacke raus, die über dem Stuhl hing, auf dem ich saß. Ich nehme sonst NIE, aber auch wirklich NIE meinen Geldbeutel mit. Immer nur ein paar Scheine in der Hosentasche oder so. Auch Handtaschen wird man bei mir eher selten am Mann, äh an der Frau finden, sonder eher im Auto unterm Sitz. Aber es war wohl Schicksal.
Die Diebe hoben dann zusätzlich auch noch mit meiner EC-Karte 4.940,00 EUR (!) von meinem Konto ab. Ich wußte gar nicht, daß ich 1. soviel Geld überhaupt abheben konnte und 2. über meinem Dispo abheben konnte. Anscheinend schon. Natürlich haben sich die freundlichen Diebe auch eine Bank ausgesucht ohne Kameraüberwachung. Es sollte ja eine Überraschung sein, wer das Geld geklaut hatte 🙂 Ich habe auch keinerlei Ahnung, woher die die PIN hatten. Aber zu der Zeit zogen gerade rumänische Diebesbanden durch´s Land, die werden schon ihre Tricks haben…
Das Geld bekam ich leider nie zurück von der Bank, weil ich meine EC-Karte leider 7 (!) Minuten zu spät gesperrt hatte…
Und nicht nur das Geld war also weg, sondern auch noch Ausweis, Führerschein, sämtliche Karten und was man sonst noch so im Geldbeutel hat. Erinnerungsstücke und Bilder. Unter anderem auch ein Dokument von einem Gemeinschaftskonto mit meinem Freund.
Dieses Dokument brauchte ich aber ganz dringend. Ich bestellte also das neue Dokument bei meiner Bank und bekam dann (drei Wochen vor dem Einzug in die neue, schöne Wohnung) von der netten Dame am Telefon zu hören, daß mein Freund eine neue Adresse angegeben hätte. Bzw. einen Nachsendeauftrag gestellt hatte. Ein Brief sei zurückgekommen mit der neuen Adresse. Und sie könnten mir das Dokument nicht an die alte Adresse schicken.
Wie schon gesagt, Männer sind eigentlich zu dämlich zum Fremdgehen.
Die neue Adresse war natürlich die von der Tussi. Ich dachte ja eigentlich immer noch, er wohnt in dem Appartement 🙂 Falsch gedacht. Ich fuhr also hin und fand seinen Namen an der Klingel. Anstandshalber klingelte ich aber nicht, da ich wußte, daß sie ein kleines Kind hat und das wollte ich da nicht mit reinziehen. Himmel, habe ich Anstand. Man könnte es vielleicht aber auch Dummheit nennen. Egal.
Ich sprach ihn dann drauf an und wieder versprach er mir, er würde sie verlassen und er brauche einfach noch mehr Zeit, aber er würde mit mir in die neue Wohnung einziehen. Der Mietvertrag war ja auch schon unterschrieben und die (sehr, sehr teure) Provision war schon bezahlt. Ich konnte also für den Moment nicht wirklich mehr zurück… Zumal ich auch überhaupt kein Geld hatte.
Tatsache war dann, ich packte alle Sachen alleine (mit Freunden, aber ohne ihn), kümmerte mich um alles weitere und er blieb weiter bei der anderen…
Ich zog in die neue Wohnung und wartete und wartete…
Er kam dann schließlich irgendwann im Mai zu mir und ging auch nicht mehr zu ihr zurück…
Aber jetzt wird es doch schön, oder?? Aber klar doch :-)))
Es vergingen ein paar Wochen und dann ging es erneut los…
Er quälte sich mit Liebeskummer (mit ihr) und Weltschmerz…
Ich tröstete ihn und fuhr ihn überall hin…
Er benahm sich wie ein Arschloch und ließ mich mit allem alleine…
Zu meinem Geburtstag bekam ich ein paar Rosen in die Hand gedrückt und dann ging er in sein Zimmer und hatte weiter Liebeskummer wegen ihr…
Es vergingen wieder ein paar Wochen…
Kleiner Zwischeneinwurf: Die ganzen letzten 5 Jahre über gab es übrigens sehr heftige Streitereien mit Ohrfeigen, Schubsereien, Mund-zuhalten und blauen Flecken und was weiß ich noch… Das erzähle ich lieber nicht weiter ausführlich, sonst weise ich mich danach gleich selber in die Klapse ein…
Weiter in der Geschichte.
Inzwischen hatten wir dann Mai und Juni. Und es wurde nicht besser mit seinem Liebeskummer und mit seinem Weltschmerz.
Es wurde Juli. Und ich traf einen alten Bekannten wieder, den ersehnten Absender…
Und auf einmal bin ich aufgewacht. Es/Er tat mir einfach nur gut. Und ich hatte Gefühle und Gedanken, die ich schon lange Zeit nicht mehr hatte. Und ich hatte Herzklopfen. Zum ersten Mal seit gefühlten hundert Jahren spürte ich mein Herz wieder. Und wie schön und aufgeregt es klopfte.
Dadurch hatte ich soviel Kraft, daß ich förmlich explodiert bin und meinem Freund endlich mal die Meinung gegeigt habe…
Ich wollte und konnte einfach nicht mehr…
Ich habe dann beschlossen, daß er auszieht und ich die Wohnung als WG mit noch zwei Mädels weiterführe…
Am 01. Dezember war es dann endlich soweit und er zog aus…
Nach 8 Jahren (drei guten, einem mittleren und vier äußerst schlechten) hab ich nun endlich den Schlußstrich gezogen…
Jetzt haben wir Oktober und inzwischen ist so einiges passiert…
Mein Exfreund will mich zurück haben. Und ich komme emotional einfach nicht los von ihm. Es läuft zwar nix mehr zwischen uns, aber irgendwie hängen wir doch noch aneinander. Eine ganz seltsame Situation. Und ich weiß auch nicht, wie sich das in Zukunft entwickelt.
Er erinnert mich natürlich immer wieder an die ersten 4 schönen Jahre und will, daß ich die anderen 4 Jahre vergesse… Aber wer könnte das schon.
Im Moment schalte ich das auch fast komplett aus, denn (wer hätte das gedacht) inzwischen habe ich ganz andere Probleme.
Wer bis hierhin durchgehalten hat… RESPEKT !!!
Arbeitsmäßig hab ich mich in der Zwischenzeit doch sehr gemausert und ich habe doch tatsächlich vor zwei Jahren einen ganz tollen, gut bezahlten Job bekommen, der sehr viel Spaß MACHTE !
Ja, MACHTE, denn leider mußte der verfluchte Scheißladen (grummel *ZENSIERT*) vor einiger Zeit Insolvenz anmelden und dann ganz schließen. Wie wunderschön.
Und so besuche ich seit zweieinhalb Monaten wieder meine Freunde vom Arbeitsamt. Wie habe ich sie vermißt. Natürlich herrscht zur Zeit auch noch die schöne Finanzkrise, weshalb ich wahrscheinlich noch eine Weile meinen Freunden treu bleiben werde. Ist Freundschaft nicht was Wunderbares?
Und weil es so schön ist, werde ich bald auch noch neue Freunde bekommen. Nette Menschen von der Schuldnerberatung und dann vielleicht nette Anwälte, die mir durch eine wahrscheinlich nicht mehr zu vermeidende Privatinsolvenz helfen werden.
Ach, ist das Leben nicht wunderbar?
Ach je, ich habe in meiner „Lebensgeschichte“ ja noch was vergessen. Von Geburt an habe ich Asthma. Und leider auch noch solch ein Asthma, das sich bei Streß verstärkt. Aber Streß habe ich ja Gott sei Dank gar keinen… 🙂 So ein Glück aber auch.
Und in den letzten, völlig streßfreien Jahren habe ich auch noch zu einer Ersatzbefriedung gefunden. Zum Essen. Sagen wir es mal so, es hätte ja deutlich schlimmer werden können. Immerhin habe ich in den letzten 5-6 Jahren ja so ca. 35-40 Kilo dazu GEWONNEN. Das ist schön, denn gewonnen hatte ich bis dato noch nie.
So, das waren erst mal die „Highlights“ meines Lebens.
Beim nächsten Mal erzähle ich euch dann, wie man beim Autohändler so richtig schön über´s Ohr gehauen wird, wie man einen ganz tollen Unfall baut und wie man seinen ganzen Lebensmut und seine Würde verlieren kann.
Aber erst beim nächsten Mal.
Die Fortsetzung findet ihr hier…
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