Heute das neueste aus der Reihe „Therapeutisches Bloggen für Fortgeschrittene“…
Seit ein paar Tagen gehe ich jeden Tag im Büro an einer Bekannten vorbei. An einer Bekannten, die ich sehr gerne mag. Weil sie sehr nett ist und ein fröhliches und herzliches Wesen hat. Und Ausstrahlung.
Aber seit neuestem hat sich mein Blick auf sie leicht verändert. Sie ist nur ein paar Jahre jünger als ich und doch stelle ich Vergleiche an.
Sie sieht so aus, wie ich jetzt aussehen könnte, wenn nicht…
Sie hat den Job, den ich jetzt haben könnte, wenn nicht…
Sie hat die Ausstrahlung, die ich jetzt ausstrahlen könnte, wenn nicht…
Sie hinterläßt Eindrücke, die ich jetzt hinterlassen könnte, wenn nicht…
Sie zieht Klamotten an, die ich jetzt anziehen könnte, wenn nicht…
Sie… Wenn… Könnte… Warum…
Dieser veränderte Blick hat natürlich einen ganz konkreten Grund.
Im Prinzip war es nur ein Satz.
Ein Satz, der mich aber mitten ins Herz getroffen hat. Und dort interessanterweise eine ziemliche Wunde hinterlassen hat. Und diese Wunde will grad überhaupt nicht heilen, weil mein Selbstbewußtsein so am Boden liegt. Und auch nicht mehr aufstehen will. Angezählt. Und k.o.
Ich bin eifersüchtig. Ich fühle mich vom Leben ungerecht behandelt. Ich will auf den Arm. Ich bin neidisch. Ich will das auch. Und doch. Ich mag sie sehr. Und ich kann diesen Satz sogar sehr gut verstehen. Und das ist noch schlimmer.
Aber selbst, wenn dieser Satz nie gefallen wäre, dann wäre ich auch irgendwann so auf den Gedanken gekommen, mich zu vergleichen.
Weil rückblickend wirklich vieles hätte anders sein können. Da ist es wieder. Hätte. Sein. Können. Ist es aber nicht.
Für manche Dinge ist es leider zu spät. Für andere natürlich nicht. Und an diesen Dingen werde ich arbeiten.
Und bis dahin streue ich noch ein bißchen Salz in die Wunde, eine Heilsalbe habe ich gerade nicht zur Hand…
[#1198]